Moritzburg und Dresden eine Reise wert?

Diese Frage wurde am Ende von allen Teilnehmern mit ja beantwortet. Aber beginnen wir von vorne.

Christine Troglauer und Fred Göbel machten ja den Vorschlag eine Reise nach Moritzburg zur Hengstparade zu organisieren. Bereits im Januar bei der Hauptversammlung stellte Christine ihre Pläne vor. Schloss Moritzburg, Gestüt Graditz, die Stadt Dresden, eine Zugfahrt mit der Lösnitzgrundbahn und die Hengstparade waren die angestrebten Stationen der Reise.
Am 3. September war es soweit. Insgesamt 28 Personen hatten angemeldet. Über die Autobahn, mit mehreren Haltestellen, ging unsere Fahrt zum Landhotel Baumwiese nahe von Moritzburg. Nur kurz durften wir verweilen, denn die erste Besichtigung stand bereits an.
Schloss Moritzburg, das Jagdschloss von August dem Starken war das Ziel. Unmittelbar vor den Toren Dresden ließ August der Starke, König von Polen und Kurfürst von Sachsen, auf den Mauern eines ehemaligen Renaissancebaus das repräsentative Jagd- und Lustschloss errichten. Kostbare Porzellane, Möbel und Gemälde zeugen noch heute eindrucksvoll von der höfischen Wohn- und Tafelkultur des 18. Jahrhunderts. Großformatig bemalte und verzierte Ledertapeten verwandeln die Säle des Schlosses in ein wahres Bilderbuch antiker Mythologie. Eine der größten Trophäensammlungen Europas erinnert an die Jagdlust der wettinischen Herrscher und ihrer Gäste. Ein weiterer Höhepunkt ist neben dem wiedereröffneten Porzellanquartier das legendenumwobene „Moritzburger Federzimmer“ mit dem Paradebett Augusts des Starken – ein Meisterwerk aus fast zwei Millionen farbiger Federn. All diese Dinge wurden durch unsere Führerin amüsant und kurzweilig vorgetragen, so dass man das höfische Leben der damaligen Zeit direkt vor dem inneren Auge ablaufen sah.
Wussten Sie, dass es bereits seit fast  850 Jahren Weinbau in Sachsen gibt? Es ist das kleinste und nordöstlichste Weinanbaugebiet und ist im Ballungsraum Dresden an den Elbhängen gelegen. Wir durften bei einer Weinprobe im tiefen Keller der Schlossgaststätte einige edle Tropfen probieren. Der Winzer beschrieb nicht nur den hervorragenden Wein, sondern schilderte auch wie es zu Zeiten der ehemaligen DDR mit dem Weinbau bestellt war. Bevor jedoch der Wein seine Wirkung zeigte, tafelten wir bei einem hervorragenden, kaltwarmen Büffet. Neben Wild gab es frische Pilze, regionale Köstlichkeiten und einen Zander aus dem Schlossgraben. Leider mussten wir bereits sehr früh aufbrechen, da der Samstag mit einem vollen Programm gefüllt war.
Bereits sehr früh fuhren wir mit unserm Bus von Ammerseereisen zum Landgestüt Graditz.
Das Sächsische Hauptgestüt Graditz ist das Kernstück des Ortsteiles Graditz, welcher seit 1999 zur Stadt Torgau gehört. Das Hauptgestüt ist Eigentum des Freistaat Sachsen und gehört zur Sächsischen Gestütsverwaltung. Kern der Gestütsanlage bildet der Gutshof mit den an drei Seiten umgebenden Stallgebäuden und den hinsichtlich Größe und Gestaltung dominierenden Schlossgebäude oder auch als Herrenhaus bezeichnet. Die gesamte Gestütsanlage mit dem Schlossgebäude steht unter Denkmalschutz. Nach der deutschen Wiedervereinigung entschied der Freistaat Sachsen, nur die Warmblutzucht im Interesse der Landespferdezucht fortzuführen. Im Jahre 2006 und 2007 wurde das gesamte Schlossareal inklusive Torhaus einer Komplettsanierung unterzogen. Nach dieser Erneuerung des Bauwerks, erstrahlt das Sächsische Hauptgestüt Graditz wieder in seiner vollen Pracht und Anmut. Im Zuge dessen sorgt der neue Pächter Hans Wirth für frischen Wind und steuert das Gestüt auch auf der Rennbahn auf vollen Erfolgskurs. Es werden aber auch Hengste, die nach der Decksaison Ruhe brauchen in Graditz gehalten. Einige durften wir am Sonntag in Moritzburg bewundern.
Der erfolgreiche Hengst, unter den Warmblutfreunden sicherlich bekannt, Santiago mit einer Gewinnsumme von mehr als 200 000 Euro ist hier beheimatet und als erfolgreicher Vererber eingesetzt.
Leider war die Zeit viel zu kurz, denn Torgau mit seiner herrlichen Altstadt stand als nächster Programmpunkt an. Berühmt wurde Torgau dadurch, dass sich hier am 25.April 1945 die amerikanische und sowjetische Armee trafen.
Den frühen Nachmittag verbrachten wir im Bus, der uns nach Dresden brachte. Die Fahrt führte durch die Elbauen, an der Porzellanstadt Meisen vorbei, aber auch durch riesige Felder, die die Größe der LPG’s nur erahnen ließ.
In Dresden angekommen konnten wir bei einer Stadtführung nur Bruchstücke der Elbmetropole sehen. Insbesondere die Altstadt mit dem Schloss, der neuaufgebauten Frauenkirche, die leider nicht zugänglich war, die Semperoper und der Zwinger konnten nur nach japanischer Art (Europa in drei Tagen) besichtigt werden. Jedoch dürften alle den Eindruck behalten haben, dass hier nach der schrecklichen Bombennacht 1945  hervorragende Aufbauarbeit geleistet wurde, die den Abschluss mit der Vollendung der Frauenkirche fand und Dresden sicherlich eine längere Reise wert ist.
Gegen 19.30 legten wir von den Brühlschen Terrassen ab und fuhren mit einem Raddampfer elbaufwärts zum Schloss Prignitz. Der Antrieb, eine Dampfmaschine faszinierte nicht nur die Männer, die vielleicht an die Jugendzeit erinnert wurden, sondern das messingglänzende Ungetüm zog auch die Blicke der Frauen an.
Zu unserer Überraschung hatte Fred und Christine noch ein Höhenfeuerwerk organsiert oder hatten wir nur Glück, da in Dresden eine Nacht der Oper stattfand?
Nach einen ausgefüllten Tag und mit vielen Eindrücken kehrten wir zu unserem Hotel zurück. Die Reiseleitung hatte Gnade mit uns, den die Abfahrt der Lößnitzgrundbahn nach Moritzburg war erst um 10.00 Uhr des folgenden Tages und wir konnten etwas länger Schlafen.
Dampfeisenbahn, einige kannten diese Art der Fortbewegung nur aus den Bilderbüchern oder von der Augsburger Puppenkiste mit Lukas und der Lokomotive. Aber die Fachmänner unter uns erkannten sofort, dass hier eine Lokomotive der Baureihe mit der Nummer 99 vorgespannt wurde. Die 99 steht für Schmalspurbahnen. Beschaulich fuhren wir in eine dichte Dampf- und Rußwolke nach Moritzburg. Bereits am Bahnhof standen Pferdetaxis, die zum Paradeplatz fuhren. Wir zogen es jedoch vor zu Fuß zu gehen m wenigstens ein paar Kalorien abzubauen. War am Freitag von der Hengstparade noch nicht allzu viel zu sehen, war nun der gesamte Ort in Bewegung. Nervöse Sattelmeister huschten zwischen den Stallungen und dem Paradeplatz hin und her. Ein Markt war aufgebaut mit regionalen Köstlichkeiten, aber auch mit mit Reitsportartikeln und den Stand für Hüte, der auf keinem Markt fehlen darf. In einem Innenhof wurde ein musikalischer Frühschoppen abgehalten. All diese Dinge wiesen daraufhin, dass heute in Moritzburg etwas Besonderes stattfindet. Die Hengstparade.
Pünktlich um 13.00 zog der Fanfarenzug mit dem Kesselpauker ein und eröffnete die Parade. In einem abwechslungsreichen Programm wurden Ein- bis 10 Spänner vorgeführt, Dressur- und Sprungquadrillen gezeigt, als historisches Element waren Jagdszenen dargestellt, aber auch Kaltblüter in ihrer angestammten Arbeit als Zugtiere mit entsprechender Anspannung, die Arbeit mit dem Langzügel aber auch artistische Einlagen der Kosakenreiter rundeten das Bild ab. Haflingerhengste wurden in der Arena freigelassen und die Akteure hatten die größte Mühe diese wieder einzufangen, ohne dass eine Kellerei entstand. Fohlen der diesjährigen Saison mit ihren Stuten aus dem Hauptgestüt Graditz wurden präsentiert um die erfolgreiche Arbeit zu dokumentieren. Viel zu rasch verging dieser Nachmittag, als gegen 17.30 der 16 Spänner mit der Postkutsche im Galopp die Arena verließ.
Uns blieb nur der Antritt der Heimreise. Es war sehr ruhig im Bus, träumten die Teilnehmer noch von der Hengstparade oder war es nach den drei ausgefüllten Tagen nur Erschöpfung.
Einig war man sich sicherlich, dass hier Christine Troglauer und Fred Göbel ein tolles und forderndes Programm zusammengestellt haben und wie Fred veriet, haben beide schon für das nächste Jahr eine Idee für den Ausflug 2011.
Bilder folgen in den nächsten Tagen oder sind unter dem folgenden Link zu finden.

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