Jahrestagung AG Breitensport , Vereine und Betriebe

Förderung der Basis des Pferdesports stand im Vordergrund

 

Weinböhla (fn-press). Sie bewirken Großes im Kleinen. Das Fernsehen berichtet selten von ihren Erfolgen und für ihre Arbeit gibt es keine Medaillen. Das tut dem Engagement der Breitensportbeauftragten sowie den Vereins- und Betriebsvertretern der Landespferdesportverbände aber keinen Abbruch. Davon konnte man sich bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Breitensport, Vereine und Betriebe der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) überzeugen, die sich Ende Oktober in Weinböhla bei Dresden traf.

 

Selbstbewusst tauschten sich die 55 Teilnehmer, darunter auch Vertreter der Anschlussverbände, über ihre Arbeit, die alltäglichen Probleme und deren Lösung aus. Was alles zum Aufgabenbereich gehört, zeigte die umfangreiche Tagesordnung, die sich in zwei Felder aufteilen ließ: die Ausbildung im Pferdesport an der Basis sowie die Beratung und Unterstützung von Pferdesportvereinen und Pferdebetrieben.

 

Letzteres ist auch Kern des Verbandsprojektes „Investition in die Zukunft (INVEST)“, mit dem FN und Landespferdesportverbände die kommenden vier Jahre den organisierten Pferdesport weiterentwickeln wollen. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ bündelt der Verband in einer konzertierten Aktion alle Maßnahmen für Vereine und Betriebe, damit diese sich verbessern können. Im Zuge des Projektes soll daher auch das Vereins- und Betriebsberatungssystem der Landespferdesportverbände ausgebaut werden. „Hier sind die Landesverbände noch sehr unterschiedlich aufgestellt“, sagte Rolf Berndt (Ulm), der seit mehr als zehn Jahren in Baden-Württemberg der Ansprechpartner für Vereine und Betriebe ist. „Die Beratungsleistung ist eine immanente Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Vereine und Betriebe sowie für die Bindung bestehender und Gewinnung neuer Mitgliedspferdebetriebe“, sagte Gisela Hinnemann (Voerde), Sprecherin der AG Breitensport, Vereine und Betriebe und im FN-Präsidium für den Bereich zuständig.

Das Lob der Vereine und Betriebe erhielt der Verband in diesem Jahr aber weniger für die Beratung als vielmehr für eine PR-Aktion. Rund 1.000 Vereine und Betriebe beteiligten sich am ersten bundesweiten „Tag der offenen Stalltür“ Anfang Oktober und lockten mit dem Motto „Komm zum Pferd“ insgesamt 250.000 Menschen auf ihre Anlagen und Höfe. Das ergab eine erste Auswertung der Fragebögen, in denen über 350 Teilnehmer Feedback gaben. „Das war ein voller Erfolg. Ich bin überzeugt davon, die Pferdebegeisterung im Lande ist groß. Das Pferd ist ein echter Sympathieträger – unabhängig von Negativschlagzeilen“, sagte Klaus Harms (Bünde) vom Pferdesportverband Westfalen. Dass die Aktion wiederholt werden und sich etablieren soll, waren sich in Weinböhla alle einig. Schließlich ist der „Tag der offenen Stalltür“ Teil des Projektes INVEST. Offen ist, ob es bei dem Datum oder Zeitraum bleiben wird und in welchem Rhythmus die Wiederholung stattfinden soll. „Wir werden Ihr Meinungsbild und das Feedback der Teilnehmer mit in die Gremienarbeit nehmen“, sagte Gisela Hinnemann.

 

Beim „Tag der offenen Stalltür“ ging es darum, dass Vereine neue Mitglieder und Betriebe neue Kunden gewinnen. Das ist laut Befragung 64 Prozent der teilnehmenden Vereine und Betriebe gelungen. Unabhängig von diesem PR-Tag sind aber weitere Konzepte gefragt, um neue Mitglieder in die Vereine zu locken. „Unsere Vereine gewinnen neue Mitglieder nur im Breitensport, nicht über den Turniersport“, sagte Roland Kaiser (Blumberg), Beauftragter für Breitensport für Breitensport des Pferdesportverbandes Südbaden. Er stellte ein Konzept seines Verbandes vor, mit dem Vereine mit neuen Angeboten gezielt auf Freizeitsportler eingehen. „Zunächst einmal mussten wir die Ausbilder in den Vereinen von den neuen Wettbewerben und Angeboten überzeugen. Es hat mich schon geschockt, wie schwer das war. Aber nach den ersten Erfolgen machen jetzt auch mehr mit,“ sagte Kaiser. Ihm habe das Projekt gezeigt, dass „man passende Angebote schaffen muss, dann nehmen die Leute diese auch an.“

 

Eines der Angebote, für das sich die Vertreter des Breitensports noch mehr Verbreitung und Akzeptanz wünschen, ist das bundesweite Championat des Freizeitpferdes. Dass dieser Wettbewerb mit Rittigkeits- und Trailelementen genau das abfragt, was der Reiter im Gelände und im Alltag beherrschen sollte, darüber waren sich alle Tagungsteilnehmer einig. „Dieser Wettbewerb ist eine gute Idee, die unbedingt weiterentwickelt werden muss. Schließlich geht es hier um die vielseitige Grundausbildung von Reiter und Pferd“, sagte Gisela Hinnemann. Die Breitensportfestivals auf regionaler, Landes- und Bundes-Ebene zeigten, dass auch Freizeitreiter Wettbewerbe wollen. Dieser Wettbewerb und die Festivals könnten zudem eine gute „Verkaufsplattform“ für die Zuchtverbände sein. Der eine oder andere Zuchtverband hat den Freizeitreiter-Markt auch schon für sich erkannt. So stellte Dr. Werner Schade (Verden), Zuchtleiter des Hannoveraner Verbandes das Konzept „Hannoveraner erleben“ vor, mit dem sein Verband seit mehreren Jahren neue Käuferschichten anspricht. „Auch wenn es nicht so scheint, aber wir als Warmblutzuchtverband bedienen diesen Markt bereits.“ 60 Prozent der hannoverschen Pferde sehen nie ein Turnier. „Die Zucht des Hannoveraners ist bewusst breit angelegt. Wir wollen ein Springpferd und ein Dressurpferd. Wir achten aber auf bestimmte Kriterien, die das Pferd vielseitig einsetzbar halten. Ich nenne es mal einen moderaten Spezialisierungsgrad. Die Rittigkeit muss auf jeden Fall gewährleistet sein. Das steht für uns ganz oben“, so Schade. Nur so sei es auch möglich, dass ein Pferd, das zum Beispiel für den großen Springsport nicht geeignet ist, auch für andere Zwecke absetzbar ist. Ein Freizeitpferd müsse nervenstark, gelassen und umgänglich, gesund und langlebig sein, mit lockeren, sitzbequemen, nicht „zu großen“ Bewegungen, ansprechend im Typ und von mittlerer Größe. Schade: „Diese Pferde haben wir schon.“

 

Das hat sich aber noch nicht bei allen Freizeitreitern herumgesprochen. Das Image als schwer zu bedienendes Sportpferd klebt am Warmblut. Viele ziehen das Warmblut als Freizeitpferd gar nicht in Erwägung. „Ich bin überzeugt davon, dass es viele Brücken zwischen den Anforderungen des Freizeitreiters und des Spitzensportlers gibt“, sagte Schade. Zum Paket Freizeitpferd gehöre allerdings immer auch die Ausbildung. „Der Freizeitreiter möchte ein fertiges Produkt haben. Eine gewisse Ausbildung des Pferdes muss vorhanden sein,“ bestätigte Norbert Freistedt (Moritzburg), der das Thema „Warmblut als Freizeitpferd“ als Geschäftsführer aus der Sicht des Pferdezuchtverbandes Sachsen-Thüringen beleuchtete. Dass Warmblüter als Freizeitpferde zu Unrecht gemieden werden, hatten die Pferde des Landgestütes Moritzburg schon am Tag zuvor in einer Demonstration des Freizeitpferde-Championats bewiesen.

 

Richtig auf den Prüfstand stehen Reiter und Pferd aber in der Natur – beim Ausreiten. Dass dieser Freiraum immer wieder und aktuell gefährdet ist, zeigten die Berichte vom Bayerischen Reit- und Fahrverband. Vier Beispiele bot Kurt Vicedom (Heilsbronn) auf, um die Reiter, Fahrer, Vereine und Betriebe aufzurütteln. „Oft kommen die Betroffenen erst zu uns, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und die Reitverbotsschilder aufgestellt und wirksam sind. Ich kann alle nur aufrufen, sorgfältig die Entwicklungen in ihrem Umfeld zu beobachten und schnell aktiv zu werden, wenn sich solche Einschränkungen ankündigen.“ Im Augenblick sei die Gefahr groß, dass sich die Ausreitmöglichkeiten weiter reduzieren. Grund sei das im Sommer verabschiedete Bundesnaturschutzgesetz. Dieses Rahmengesetz umzusetzen ist Ländersache. Die Landespferdesportverbände müssten genau hinsehen, was die Umweltministerien der Länder derzeit als Referentenentwurf entwickeln, denn Teil des Gesetzes und der Landesregelungen ist auch das Betretungsrecht des Waldes. „Hier ist es ganz wichtig, dass alle Organisationen des Pferdesports mit einer Stimme sprechen“, sagte Hermann Bühler (Bonn) vom Landespferdesportverband Rheinland. „Wir sind mit über 750.000 Mitgliedern der größte Verband und Interessensvertreter im Pferdesport. Nur ein starker Verband kann die Interessen der Pferdeleute wirksam vertreten.“

 

Mit dieser Aussage schloss sich am Ende wieder der Kreis zum Verbandsprojekt INVEST, bei dem es auch um Mitgliederentwicklung in den Vereinen geht. Nicht nur attraktive Angebote wie Reitunterricht oder Turnierteilnahme sprechen für Vereinsmitgliedschaften: Am Ende geht es um Lobbyarbeit und die Freiheit, das Hobby Pferd nicht nur in der Halle, sondern in Feld und Wald ausüben zu können. Was sich übrigens nicht nur die Mehrheit der über 750.000 Mitglieder im organisierten Sport wünscht, sondern vor allem die laut der FN-Marktanalyse von 2001 rund 750.000 Pferdesportler, die in keinem Verein oder Verband Mitglied sind.                    Bo (FN press)