Das Österreichische Pferdezentrum Stadl-Paura (Oberösterreich) stand vom 23. – 27. Juli ganz im Zeichen des internationalen Jugendfahrsports. Österreich hatte die Rolle des Veranstalters der 3. Junior World Trophy for Young Drivers übernommen, die seit 2004 im zweijährigen Rhythmus als kombinierte Pony-Einspänner-Prüfung ausgetragen wird.
Jeweils zwei Teilnehmer-Jahrgänge werden zu einer Prüfungskategorie zusammengefasst, die jüngsten waren 9-jährig und konkurrierten in der Kategorie „Poussins“ (Küken). Das Höchstalter beträgt 18 Jahre. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren konnten erstmals wahlweise auch im Pony-Zweispänner an den Start gehen.
Ablauf und Reglement entsprechen weitgehend den internationalen F.E.I.-Regularien. Beginnend mit einer Veterinär-Inspektion, bei der alle teilnehmenden Pferde gemessen, auf ihre Identität überprüft und auf Wettbewerbstauglichkeit untersucht werden, gab es einen ersten Eindruck über die hohe Qualität der höchst unterschiedlichen Ponys, die bei der Junior World Trophy zum Einsatz kamen. Der zweite Teil bestand aus einem Präsentationswettbewerb, in früheren Zeiten „Gespannkontrolle“ genannt, bei der die Richter Pferde, Geschirre, Fahrzeuge, Anzug und Auftreten des Fahrers sowie die Stimmigkeit und Verkehrssicherheit der gesamten Anspannung zu beurteilen hatten.
Am dritten Tag war schließlich die Dressurprüfung zu absolvieren, die wegen der sinnflutartigen Niederschläge in Oberösterreich vom großen Außenplatz in die 30 x 70 m große Veranstaltungshalle des ehemaligen k.u.k.-Hengstdepots verlegt werden musste.
Die 15-jährige Schülerin Lisa Noppenberger aus Heßdorf bei Erlangen war hier mit ihrem 7-jährigen Haflinger-Wallach Nino beste Deutsche auf Rang 3 in der Prüfungskategorie „Cadets“ der 15- bis 16-jährigen Fahrer.
Der Samstag ist bei Fahrturnieren traditionell der Geländetag. Bei der Junior World Trophy war anstelle einer Geländeprüfung ein kombiniertes Hindernisfahren mit drei festen Hindernissen eingeplant. Die Besonderheit der Ausschreibung besteht darin, dass im Hindernisparcours ausgenommen innerhalb der festen Hindernisse nur Trab gefahren werden darf. Der internationale Jugendfahrverband ICKD und dessen Präsident Patrick Dubrulle halten dies für notwendig, um Kinder und Jugendliche zu einem disziplinierten, überlegten Fahren zu erziehen und sie nicht der Versuchung eines übertriebenen Jagens auszusetzen. Ein Parcours mit 15 Hindernissen, davon 3 feste Geländehindernisse mit jeweils 4 Durchfahrten, waren auch mental eine hohe Anforderung für die jungen Teilnehmer. Dass zu den Spurbreiten der Wagen lediglich eine Zugabe von 20 cm für die Kegel-Hindernisse gegeben wurde, entspricht in Deutschland M-Niveau. Beste Deutsche in dieser Teilprüfung war Stephanie Dam aus Schmatzhausen bei Landshut mit ihrem Deutschen Reitpony Nepomuk, mit dem sie lange in Führung liegend einen exzellenten 4. Platz erreichte.
Das abschließende Kegelfahren, erneut mit 15 Hindernissen und einer Hindernisbreite von 20 cm über der Spurbreite des Wagens musste die Entscheidung über die kombinierte Bewertung in den jeweiligen Altersgruppen bringen.
Inzwischen hatte sich der Himmel über Stadl-Paura aufgeklart und Kaiserwetter hervorgezaubert. Der große Paradeplatz des Pferdezentrums Stadl-Paura wurde damit zu einer optimalen Arena für das spannende und stimmungsvolle Finale, bei dem die zahlreichen Schlachtenbummler lautstark und Fahnen schwenkend ihre Fahrer unterstützten.
Es war der Tag der Lisa Noppenberger! Mit ihrem Onkel und Förderer Bernhard Gumprecht als Beifahrer steuerte sie ihren Haflinger Nino souverän und in Rekordzeit durch den anspruchsvollen, vom internationalen Parcous-Designer Harald Aigner (Österreich) gebauten Kegelparcours und gewann das Hindernisfahren vor dem gleichnamigen Sohn des ungarischen Weltklasse-Vierspännerfahrers Jozsef Dobrovitz (Ungarn). Um zwei Zehntel-Punkte geschlagen, bedeutete dies zugleich die sensationelle Silbermedaille in der kombinierten Einzelwertung der Kategorie Cadets für die sympathische und beherzt fahrende Heßdorfer Schülerin.
Mit einer fehlerfreien Runde verabschiedete sich auch Katharina Dam aus Schmatzhausen mit ihrer braunen Ponystute Naomi aus Stadl-Paura und belegte damit Rang 10 in der Kombi-Wertung der Altersgruppe der Cadets. Ihre ältere Schwester Stephanie Dam, Mitglied des bayerischen Jugendkaders errang mit dem Fuchspony Nepomuk sogar Platz 8 in der Gesamtwertung der „Juniors“ (17-18 Jahre).
Pech hatte Anna Katharina Stede aus Butzbach/Hessen, die sich am Geländetag so unglücklich in einem Hindernis verharkte, dass eine Wagenfeder sowie die Vorderachse verbogen wurden und sie aufgeben musste.
Auch Vanessa Spalt aus Bickenbach/Hessen, die ihren Haflinger Nanuk angespannt hatte, leistete sich einige leichte Hindernisfehler und landete damit auf Platz 12 im Mittelfeld der Altersgruppe der „Minimes“ (13- bis 14-Jährige).
Punkte für das deutsche Team sammelten dann noch die beiden westfälischen Youngster im Team, Karolin Schettler mit ihrem Shetty-/Welsh-A-Mix Pumuckel mit einem 6. Rang in der Kombiwertung der „Poussins“ (9- bis 10-Jährige) und Alexander Wiederhold, der mit seinem schwarzen, englischen Dales-Pony Castle Hill John eine hervorragende Dressur gefahren war und am Ende den 11. Rang in der Kombinationswertung belegte.
Hinter den siegreichen Belgiern und den favorisierten Gastgebern aus Österreich, belegte England Platz 3. Das deutsche Team landete auf Rang 6.
Teamchef Rolf Schettler, Vorsitzender des deutschen Einspänner-Verbandes pro Einspänner e.V., war dennoch mit seinem Team sehr zufrieden: „Bei diesem Wettbewerb geht es nicht nur um Sieg und Niederlage, es geht um die internationale Jugendbegegnung im Fahrsports. Das Gespannfahren hat sich hier als moderner und chancenreicher Jugendsport fest etabliert!“
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